Der Weltfriede ist eine Utopie – also lasst uns über Utopien nachdenken

Der Journalist Mathias Greffrath hat ein historisch-philosophisches Essay geschrieben, das, wenn  man es gelesen hat, hilft zu begreifen, warum die Corona-Krise auch eine Chance ist. Aber dass noch nicht sicher ist, ob wir Europäer sie nützen werden,

Warum Utopien scheitern. Essay von Mathias Greffrath im Deutschlandfunk

Greffrath schreibt: „Die Ideen sind da, doch wir noch nicht so weit.“
Victor Hugo schrieb: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Vielleicht ist ja doch die Zeit gekommen?

Ich erlaube mir im Interesse der gemeinsamen Sache, den Schlussabsatz zu zitieren. Greffrath schreibt:

Wir leben in einer Zeit aus vielen Zeiten

Heimat, das ist ein Netzwerk meiner Abhängigkeiten, meiner Zugehörigkeiten, meiner Zuneigungen. Heimatgefühl, das kann die Mischung aus Thüringer Wurst und Nashville Country auf einem Weihnachtsmarkt in einer Kleinstadt am Elm am Abend nach dem Hatha-Yoga-Kurs sein. Wir leben in Gesellschaften, die aus Gesellschaften zusammengesetzt sind, in einer Zeit aus vielen Zeiten, in einem Raum sehr viel weiter als der Ort, an dem wir gerade sind, mit vielen Orten verbunden. „Wir stehen“, sagt Latour, „auf demselben Boden, der Klimaflüchtling, der aus dem Iran kommt, wo man demnächst die Hälfte des Bodens nicht mehr bestellen kann, und wir – die Produzenten von CO2 – wir stehen buchstäblich auf demselben Boden, und er rutscht grade unter uns weg – hier wie dort“. Heimat, das ist das Projekt, den Raum zu besiedeln, in dem wir immer schon sind. Dieser Raum ist keine Insel, sondern er ist unabschließbar. Und die Topologie, die Heimatkunde, die hier gelernt werden muss, hat keinen Anfang und kein Ende. Immanuel Kant sprach, auf dem Höhepunkt der Aufklärung, vom „Interesse am Weltbesten“, von erkannten Gefühl der „Verknüpfung unserer Existenz mit Welten über Welten und Systemen von Systemen“ noch über den Horizont unserer Lebenszeit hinaus, von einem sehr diesseitigen Geflecht aus Körpern und Beziehungen. Nichts außer mir oder etwas, das weit vor mir liegt, kein metaphysisches Elysium, kein Ziel am Ende der Fortschrittsrennbahn, sondern etwas sehr Gegenwärtiges an der Kante zur Zukunft, mit einem Erbe, das wir annehmen oder ablehnen können, das wir überholt glauben oder von der wir uns verpflichten lassen: zum Beispiel diese alten Erzählungen von Inseln mit vier Stunden Regelarbeitszeit in einer Solaren Weltgesellschaft.

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